Was man alles müsste und sollte

Gastbeitrag von Antoine Richard

Viele fragen mich, was ich davon halte, was die Querdenker machen, dass die doch angeblich alle rechts sind, dass diese Kritiker der Coronamaßnahmen Idioten seien oder gar menschverachtend. Die Fragenden wollen von mir wissen, warum ich mich mit Staatskritikern überhaupt unterhalte. Wieso ich Ihnen damit eine Bühne gebe.

Man solle diese Menschen doch meiden, ihnen am besten verbieten sich überhaupt zu versammeln. Man solle solche Kontakte besser abbrechen, auch weil sie ein negatives Bild auf einen selbst werfen. Man solle die auch nicht zu anderen sprechen lassen und besser ihre Socialmedia Kanäle blockieren oder besser ganz löschen, weil sie mit ihren Aussagen doch Menschenleben gefährden.

Wenn Sie selbstständig sind oder Unternehmen haben, sollte man sie nicht auch noch unterstützen, indem man dort einkauft. Man würde es zwar nicht selbst tun, aber man nähme es auch mit einem lächelnden Auge in Kauf, wenn an ihre Hauswände „Nazi“ oder „Maske auf, Menschenleben schützen“ gesprüht würde, weil sie ja genau das seien: Nazis, die Menschenleben gefährden! Also unterste, menschliche Schublade! Wenn man also mitbekomme, dass solche Menschen die Maßnahmen nicht einhalten oder in Frage stellen, dann sei es auch legitim, sie dem Arbeitgeber oder dem Ordnungsamt zu melden!

Und außerdem: wenn solche Covidioten und Verschwörungstheoretiker sich nicht an die Maßnahmen halten, müsse man sie mit allen Mitteln der Gewalt dazu zwingen, ihre persönlichen Treffen und Kontakte unterbinden und zur Not Menschen voneinander separieren. Auch könnte man Einzelnen mit Einweisung in geschlossene Anstalten drohen, denn nichts sei wichtiger als Menschenleben zu schützen! Und überhaupt seien das alles Egoisten, die nur an sich denken. Also genau das, was die Nazis den Juden vorgeworfen haben. Und deshalb schlage man ihnen auch immer wieder vor, doch einfach das Land zu verlassen, wenn es  ihnen nicht passe, so wie man es bei den Juden zu Beginn noch getan hat. Und die, die nicht gehen wollen oder können, sind es dann selbst schuld!

Man empört sich auch darüber, dass sich dann diese Menschen an die Anfänge der Judenverfolgung oder an die Methoden der Stasi erinnert fühlen. Das sei unfassbar. Schließlich habe die Stasi nicht nur Sachen gemacht, die „nicht ok“ waren, sondern auch wirklich Faschisten und Staatsfeinde gejagt.  Nazivergleiche gingen einfach gar nicht und verhöhnten die Opfer, was wiederum zu der Tatsache passe, dass es sich nicht um kritische Bürger handle, die die Grundrechte der Menschen verteidigen, sondern um Coronaleugner und rechte Hetzer!

Man beobachte auch seit einiger Zeit, dass diese sich eben nicht genügend von Rechten distanzierten. Wie könne gerade ich das zulassen, obwohl meine Großmutter Jüdin war und im KZ Buchenwald interniert?

Dadurch kommt es mittlerweile auch zu internen Streitigkeiten in der Querdenkerbewegung und ständig muss man sich überall rechtfertigen und beteuern, dass man kein Nazi ist. Das beobachte man  mit Genugtuung, heißt es dann. Sollen die sich ruhig innerlich zersetzen! Sollen die doch bitte einfach zu Hause bleiben und ihre Maske aufsetzen! Das kann doch nicht so schwer sein!

Aber das Wichtigste sei: Der Ruf solcher Menschen, die öffentlich dazu aufriefen sich gegen die Maßnahmen zur Wehr zu setzen oder die wissenschaftlichen Grundlagen selbiger in Frage stellen, sei zu recht vollkommen ruiniert. Schließlich könne man das auch bei Wikipedia nachlesen.

Ich habe ein wenig über all das nachgedacht und dabei ist mir folgender Text in die Hände gefallen:

Es handelt sich um die Richtlinie Nummer 1/76 des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR.

Herzliche Grüße von einem Enkel einer verfolgten Jüdin, einem überzeugten Liberalen und Steuerzahler, der sich an alle Maßnahmen hält.

Antoine Richard

DDR-Lexikon: MfS-Richtlinie 1-76

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