Erdogan will türkische Schulen in Deutschland

Was denn noch?

Wenn man einmal nichts vom türkischen Präsidenten Erdogan hört, heißt das keineswegs, dass er nicht trotzdem mit Russland und China und in den Kriegsregionen rund um sein Land Politik betreibt. Es heißt lediglich, dass er von Deutschland vorübergehend die Finger lässt oder die Medien mit anderen Weltuntergangsszenarien so intensiv beschäftigt sind, dass Erdogan dahinter verschwindet.

So muss ich gestehen, dass ich seine spontane Schließung der deutschen Auslandsschule in Izmir 2018 nicht mitbekommen habe und erst jetzt auf seinen ideellen Angriff auf die deutsche Bildung aufmerksam geworden bin. Es fehlte die rechtliche Grundlage für die Schule, hieß es am letzten Schultag vor den Sommerferien. Vertreter der Bildungsbehörden und rund ein Dutzend Polizisten waren erschienen und hatten das Schulgebäude versiegelt.

Das Ganze hatte sich letztlich als Willkürhandlung Erdogans herausgestellt, der nach seiner Putschinszenierung die Islamisierung der Türkei mit großen Schritten vorantreibt. 2016 hatte der frisch ernannte Vizedirektor des berühmten Kabataş-Gymnasium in Istanbul gesagt: „Die Zeit ist gekommen, um unsere Schulen zu religiösen Ausbildungsstätten zu machen“, womit ein Blick hinter die Kulissen türkischer Schulpolitik gewährt wird.

Die seit mehr als einem halben Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit verlaufenden Verhandlungen über Erdogans Planspiel, endlich in Deutschland drei türkische Schulen errichten zu wollen, sind jetzt in den Büros der Kultusministerien angekommen und liegen als Entwurf vor.

Damit macht Erdogans 3. Strophe über türkische Schulen in Deutschland die Runde. Die ersten zwei Strophen sang er schon 2008 und 2010. In Deutschland sollten Gymnasien gegründet werden können, die in türkischer Sprache unterrichten, und die Bundesregierung sollte darin kein Problem sehen, forderte er damals. Auch türkischsprachige Universitäten müsse es in der Bundesrepublik geben. „Wissenschaft kennt keine Grenzen“, sagte er zur Begründung.

Außenminister Heiko Maas wird Erdogans 3. Strophe mitsingen und führt das Gleichheitsprinzip als Argument dafür an, dass er dem Ansinnen Erdogans unter bestimmten Voraussetzungen zustimmt. Die Süddeutsche gab einige Details des schon vorliegenden Abkommens bekannt.

Der Entwurf des Abkommens formuliert einerseits Bestimmungen für die bereits bestehenden drei deutschen Auslandsschulen in der Türkei sowie andererseits für drei noch zu gründende türkische Schulen in Deutschland. Diese sollen als private Ersatzschulen errichtet werden, staatliche Zuschüsse erhalten und Schüler unabhängig von deren Staatsangehörigkeit aufnehmen. Sie dürfen nach eigenen Lehrplänen unterrichten, die von den zuständigen Behörden geprüft werden müssen. Bis zu einem Drittel des Unterrichts darf in türkischer Sprache stattfinden. Die Lehrkräfte für diese Fächer darf die türkische Seite benennen. Sie müssen die Qualifikationen erfüllen, welche die Landesschulgesetze auch von allen anderen Lehrkräften erwarten. Über die Lehrinhalte und Lernmittel dieser Fächer müssen die Schulen die Behörden lediglich informieren.

Ja reichen denn die Erfahrungen, die Deutschland und Europa mit Erdogan gemacht haben, noch immer nicht, um diesem „Meister der Erpressung“ endlich einmal ein „Nein“ zu sagen und ihm Grenzen zu setzen? Bei 180 registrierten Schülern im Alter von 2 bis 20 in der Auslandsschule in Ismir und 40 Mitarbeitern, die die Tagesschau als Betreuer bezeichnet, dürfte doch wohl auch privat eine „Betreuung“ möglich sein.

Wäre es anmaßend zu erwarten, dass die 15- bis 20-jährigen Schüler die „Betreuung“ der Jüngeren übernehmen? Die drei deutschen Auslandsschulen sollten wegen der undemokratischen Zustände im Land unter Erdogan immer mit seiner Willkür rechnen und einen Plan B im Sinne des Home Teachings und Freilernens in der Tasche haben. Die in Deutschland seit 100 Jahren existierende Schulpflicht sollte schon längst wie in allen anderen Ländern (mit Ausnahme Schwedens) in eine Bildungspflicht überführt werden. Jetzt wäre der Zeitpunkt dazu gegeben, um auch Plan B der drei Auslandsschulen in der Türkei möglich zu machen.

Seit der Putschaktion und der gesellschaftlichen Säuberung sind Tausende von Türken nach Deutschland gekommen. Erdogan hatte mehr als eine halbe Million Ermittlungsverfahren eingeleitet. 155.000 Beamte und Lehrer wurden aus dem Dienst entlassen, darunter Tausende Militärs. Mehr als 30.000 Personen landeten im Gefängnis, um die 20.000 wurden verurteilt. Nach Erdogans Gegen-Putsch ersuchten 2016 fast 6000 und im Jahr 2019 sogar 11.423 Türken in Deutschland Asyl. Nur aus Syrien und dem Irak kommend gab es im vergangenen Jahr mehr Asylanträge.

In der heutigen Türkei fühlen sich doch nur noch Erdogan-Hörige und Integrationsresistente sicher. Der „gesäuberte“ Teil ist längst ausgereist. Wozu also dort die drei deutschen Mini-Schulen zum politischen Zankapfel werden lassen?

Was Deutschland betrifft, sind rein türkische Schulen abzulehnen. Für unsere türkischen Mitbewohner existiert ein überaus liberales und tolerantes Angebot. Moscheen, Koranschulen und Imame einerseits sowie der Modellversuch des islamischen Religionsunterrichts in sechs Bundesländern andererseits bieten den türkischen Mitbürgern alles, was ihr Herz und ihr Glaube begehren. Wieviel Integrationshilfe von diesen Angeboten ausging, bleibt ein deutsch-türkisches Geheimnis.

Konnte es den Absolutheitsanspruch und Überlegenheitsanspuch des Islam verändern oder verringern? Natürlich nicht. Im Gegenteil. In NRW fanden 87 Prozent der Schülerinnen und Schüler auf weiterführenden Schulen, dass der Islam die „wahre Religion“ ist, und 98 Prozent, dass „Allah der einzige Gott ist“.

So lange die Islamverbände in Deutschland, vorne an Ditib keine Bereitschaft zeigen, Politik und Religion zu trennen und so lange sie sich bis heute gesellschaftsseparierend verhalten, sollte Deutschland den Erpressungsversuchen Erdogans und seinen bildungspolitischen Indoktrinationsversuchen widerstehen.

Einen religionsspezifischen Unterricht halte ich schon lange nicht mehr für zeitgemäß. Es darf gerade in einem Religionsunterricht nicht um Sondierung gehen, sondern es muss das Friedensbegehren Lernziel werden. Das bedeutet: Alle Kinder einer Lerngruppe, Klasse oder Stufe gemeinsam in Religion  unterrichten, um ihnen Verständnis, Toleranz und Kenntnisse zu vermitteln und sie zu befähigen, über den Weg ihres Glaubens zur Integration zu gelangen.

Schließlich, so behaupten Christen, Juden und Muslime, handele es sich bei ihrem Gott um einen vergebenden Gott und eine barmherzige Religion. Um diese Behauptung unter Beweis zu stellen, dürfte ein gemeinsamer Religionsunterricht ja kein Problem sein.

Warum es bis zum heutigen Tag bei allen Integrationsproblemen, bei dem wieder stärker werdenden Antisemitismus, bei der Gesellschaftsspaltung durch das, was Politiker Flüchtlingspolitik nennen und bei den Erdogan’schen Islamisierungstendenzen nicht zu einer Bildungs-Ökumene gekommen ist, beweist, dass es mit der Friedenssicherung durch die Religionen schlecht bestellt ist.

Wir brauchen in Deutschland keine türkischen Schulen. Ich kannte in den Hauptschulen für unsere türkischen Schüler den muttersprachlichen Unterricht und unterrichtete in Dinslaken-Lohberg reine Türkenklassen, in denen sich die türkischen „Herren der Schöpfung“ von mir als Frau schon damals nichts sagen lassen wollten. Für keine Nationalität gab es so viele Extrawurst-Veranstaltungen wie für unsere türkischen Schüler.  Unsere aus Polen, Russland, Portugal, Italien, Spanien und Libyen  stammenden Schüler genossen  keine derartigen  Privilegien – integrierten sich dafür aber schneller und problemloser. Die Sonderwunschbehandlung in Schule und Gesellschaft gab und gibt es bis heute nur für Muslime. Es wird Zeit, dass die Islamisierungsolympiade, die Erdogan seit Jahren in Deutschland stattfinden lässt, beendet wird. Dazu sollten die in Berlin demonstrierenden Landwirte eines ihrer Plakate an Erdogan übergeben. Darauf befindet sich die schon längst fällige deutsche Haltung gegenüber dem türkischen Erpresser. „Wir haben es satt!“

 

One Comment on “Erdogan will türkische Schulen in Deutschland”

  1. Dieser Beitrag von Bärbel Erdmann offenbart, wie schon viele der vorhergehenden Kommentare der deutschen und ausländischen politischen Ereignisse, außerordentlich gut recherchiert und spiegelt in hervorragender Weise die Winkelzüge, hier des „Sultans“ Erdogans wieder.
    Es wird ebenfalls deutlich gemacht, dass dieser Despot aus Ankara, ohne dass die Berliner Politik davon öffentlich Notiz davon nimmt, seine Landsleute hier in Deutschland massiv beeinflusst und manipuliert.
    Von der Berechtigung zur Selbstbestimmung eines souveränen Staates sind wir meilenweit entfernt. Es ist seit mehreren Jahren der Fall, dass seitens der Politik, Rechte an Gäste in Deutschland übereignet werden, die uns als Bundesbürger verweigert, oder deren Wahrnehmung sehr stark eingeschränkt werden.

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