Böhmermanns Todesliste

Menschenvernichtung auf der Bezahlbühne

Ich muss meine Schreibpause unterbrechen. Es hat sich ein Medienspektakel unvorstellbaren Ausmaßes ereignet, das so ungeheuerlich ist, dass es mir die Sprache verschlug und mir die Tränen in die Augen trieb. Ein Land, das einem Kriminellen wie Jan Böhmermann eine Medienbühne bietet statt ihn wegen Volksverhetzung und Aufruf zum Mord hinter Schloss und Riegel zu bringen, ist moralisch, rechtlich und gesellschaftlich am Ende. Aber lesen Sie selbst!

Böhmermanns Todesliste: Am Montag nach der Bundestagswahl soll es 250 Personen an den Kragen gehen. Ich stehe auch darauf

Roland Tichy

Seit einigen Stunden kursiert eine «Liste der 250 grössten Menschenfeinde» im Netz. «Bei vielen von denen würde eigentlich nur eine Entnahme helfen», steht da. «So macht man das auch mit gefährlichen Tieren, die Siedlungen zu nahe kommen.»

Es klingt wie ein Scherz, ist aber Ernst.

Eine Todesliste mit 250 Namen wurde erstellt; die meisten kennen wir aus den Listen von Jan Böhmermann. Darf man in diesem Land ungestraft zum Mord an Kritikern der Regierung aufrufen?

Autoren, Publizisten, Ärzte, Politiker mehrerer Parteien, Schauspieler – bunt gemischt sind es Kritiker, die diese oder jene Massnahme der Regierung Merkel kritisiert haben. Manche die Flüchtlingspolitik, andere Corona-Massnahmen.

Eine Gemeinsamkeit gibt es nicht, nur diese: Sie alle äussern sich kritisch, mal mehr und mal weniger.

Man ist geneigt, das für einen schlechten Scherz zu halten. Die übliche linke Satire, hahaha, die doch eine reale Funktion hat: Die Grenzen des Sagbaren zu verschieben, die Gewalt im Kleid der Satire redefähig zu machen.

Aber es ist kein Scherz, Kritiker pauschal mit Adolf Hitler gleichzusetzen, zum Mord an ihnen aufzurufen («Entnahme» heisst Tötung von Tieren). Solcher Spass, selbst wenn er einer sein sollte, ruft Nachahmer auf den Plan.

Wir kennen das. Der prominente ZDF-Mitarbeiter Jan Böhmermann hat mit solchen Listen begonnen, viele der Namen stammen von seinen Listen. Seither habe ich mehrere Morddrohungen erhalten. Bislang habe ich darauf nicht reagiert, sondern nur Türen verstärkt, Fenster gesichert, die Adresse gewechselt.

Auch den Begriff «Menschenfeind» beziehungsweise «menschenfeindlich» hat Böhmermann erst kürzlich in einer öffentlichen Diskussion mit Markus Lanz popularisiert, um zwangsweise kritische Positionen und Personen zu diskreditieren und aus dem Diskurs auszuschliessen.

Böhmermann selbst schiesst nicht, gebührenfinanziert lässt er schiessen und das ZDF befördert ihn dafür ins Hauptprogramm.

Ich nenne ihn, weil er gebührenfinanziert die grösste publizistische Wirkung entfaltet, das Erstellen von Feindeslisten praktiziert und eingeführt hat und zeigt, wie verantwortungslos das öffentlich-rechtliche Fernsehen mittlerweile mit Hetzern und Hassern in ihren eigenen Reihen umgeht und ihnen breiten Raum und Möglichkeiten finanziert.

Ein selbsternanntes Künstler-Kollektiv rief zum Mord am Kollegen Roger Köppel auf. Nur so, aus Spass. Aber genau das ist es nicht. Es ist der Beginn einer haltlosen Entwicklung.

Wir können die Liste und den dazu gehörigen Text nicht dokumentieren, weil wir uns dadurch selbst womöglich strafbar machen würden.

Für mich ist sie Ausdruck einer ungeheuren Verrohung des links-grünen Milieus, das dieses Land beherrscht. Ich betrachte es als Ehre, auf dieser Liste zu stehen.

Wir lassen uns nicht unterkriegen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Tichys Einblick.


Was Böhmermann an Schmutz zu bieten hat:

Birgit Kelle veröffentlicht die  Todesliste auf Twitter mit folgendem Kommentar:

Post von einem „Menschenfreund“ Er hat sich echt Mühe gemacht, mich und 250 andere wie @jreichelt #Kubicki u.a. akribisch aufzulisten. Aber vielleicht ist es auch nur ein Bewerbungsschreiben für den Sumpf von Böhmermann, mit der Referenz kann er dort sicher sofort anfangen

Böhmermann und die österreichische Regierungskrise um Strache

 

 

2 Comments on “Böhmermanns Todesliste”

  1. Kann man diese Todesliste irgenwo einsehen ? Ich finde nur die Empörung darüber; vielfach; aber nirgendwo die Liste selbst. Hättet ihr vielleicht eine URL ? Aber bitte eine URL zur Liste; nicht zu anderen Seiten, die sich auch empören.

    1. Reitschuster zitiert dazu Andrea Drescher, Tochter von jüdischen KZ-Überlebenden. Sie schrieb ihm zu seinem Artikel: „Auf der Todesliste böser Nazis steht neben Henryk Broder und Elias Davidson, zwei Juden, die in Deutschland leben, auch Vera Sharav, eine jüdische Holocaust-Überlebende. Juden werden also wieder mal von Deutschen mit dem Tod bedroht, weil sie nicht ins Narrativ passen. Ein Details, was Ihnen vielleicht entgangen ist. Mein halber Bekanntenkreis ist auf der Liste, rund 100 kenne ich persönlich. Ich weiß gar nicht mehr, was ich dazu sagen soll!“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.