COVID-19: Der große Umbruch, Teil 2


Auszug aus dem Buch von Klaus Schwab: Teil 2

Unser Konsumverhalten hat sich während der Lockdowns dramatisch verändert, da wir gezwungen waren, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren, und uns keine andere Wahl blieb, als ein „grüneres Leben“ zu wählen. Vielleicht hält das ja an und spornt uns an, alles, was wir nicht wirklich brauchen, wegzulassen, und einen positiven Kreislauf zugunsten der Umwelt in Gang zu setzen.

Einige Staats- und Regierungschefs und Entscheidungsträger, die bereits an vorderster Front im Kampf gegen den Klimawandel standen, möchten den Schock, den die Pandemie verursacht hat, möglicherweise nutzen, um langfristige und umfassendere Umweltveränderungen durchzuführen. Sie werden die Pandemie in der Tat „gut nutzen“, indem sie sich die Chance, die die Krise bietet, nicht entgehen lassen.

Im Hinblick auf die Zukunft würden die Regierungen höchstwahrscheinlich, wenngleich in unterschiedlichem Ausmaß, entscheiden, dass es im besten Interesse der Gesellschaft ist, einige Spielregeln neu festzulegen und ihren Einflussbereich auf Dauer ausweiten.

Wenn wir in der Zeit nach der Pandemie beschließen, unser Leben wieder genauso weiterzuführen wie zuvor (indem wir die gleichen Autos fahren, die gleichen Ziele anfliegen, die gleichen Dinge essen, unser Haus auf die gleiche Weise heizen und so weiter), dann ist die COVID-19 Krise klimapolitisch gesehen umsonst gewesen. Wenn wir hingegen einige der Gewohnheiten, die wir während der Pandemie gezwungenermaßen annehmen mussten, als strukturelle Verhaltensänderungen in die Zeit nach Corona hinüberretten können, könnte das Ergebnis für das Klima ganz anders aussehen. Weniger pendeln, etwas mehr im Home-Office oder mobil arbeiten, Rad fahren und zu Fuß gehen statt mit dem Auto fahren, um die Luft in unseren Städten so sauber zu halten, wie sie während der Lockdowns war, Urlaub in der Nähe des Wohnortes: all dies könnte im richtigen Maß zusammengenommen zu einer nachhaltigen Verringerung der Kohlenstoffemissionen führen.

Bestärkt durch das, was die Menschen während der Lockdowns gesehen haben (keine Luftverschmutzung), werden die Klimaaktivisten ihre Anstrengungen verdoppeln und noch stärkeren Druck auf Unternehmen und Investoren ausüben.

Stellen wir uns zur Veranschaulichung nur einmal folgende Situation vor: eine Gruppe grüner Aktivisten könnte vor einem Kohlekraftwerk demonstrieren, um eine striktere Durchsetzung der Umweltschutzbestimmungen zu fordern, während eine Gruppe von Investoren im Sitzungssaal dasselbe tut, indem sie dem Werk den Zugang zu Kapital entzieht.

Mit der Pandemie hat die digitale Transformation ihren Impulsgeber gefunden.

Während der Lockdowns sahen sich viele Verbraucher, die bisher im täglichen Umgang mit digitalen Apps und Diensten eher zögerlich waren, praktisch über Nacht gezwungen, ihre Gewohnheiten zu ändern: Filme online anschauen statt ins Kino zu gehen, sich Mahlzeiten liefern zu lassen statt auswärts zu essen, mit Freunden online sprechen statt sich persönlich zu treffen, mit Kollegen über einen Bildschirm kommunizieren statt an der Kaffeemaschine zu plaudern, online Training statt ins Fitnessstudio zu gehen, und so weiter. … Da das „Social and Physical Distancing“ (die soziale und physische Distanz) weiter besteht, wird sich die Abhängigkeit von digitalen Plattformen für Kommunikation, Arbeit, Beratung oder Bestellungen nach und nach gegenüber früheren Gewohnheiten durchsetzen. … Tatsächlich eignen sich Automatisierungstechniken besonders gut für eine Welt, in der sich Menschen nicht zu nahe kommen dürfen oder bereit sind, ihre Interaktionen zu reduzieren. Unsere unterschwellige und möglicherweise anhaltende Furcht davor, mit einem Virus infiziert zu werden, wird somit den unerbittlichen Vormarsch der Automatisierung beschleunigen, insbesondere in den Bereichen, die am leichtesten automatisierbar sind.

Im Jahr 2016 kamen zwei Wissenschaftler der Universität Oxford zu dem Schluss, dass bis zum Jahr 2035 bis zu 86 % der Arbeitsplätze in Restaurants, 75 % im Einzelhandel und 59 % in der Unterhaltungsbranche automatisiert werden könnten. Diese drei Bereiche gehören zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Industriezweigen, in denen die Automatisierung aus Gründen der Hygiene und Sauberkeit eine Notwendigkeit sein wird.

Sobald die Coronakrise abklingt und die Menschen wieder anfangen, an ihren Arbeitsplatz zurückzukehren, werden die Unternehmen zu einer stärkeren Überwachung übergehen. Wohl oder übel werden die Unternehmen beobachten und manchmal auch aufzeichnen, was ihre Belegschaft tut. Der Trend konnte viele verschiedene Formen annehmen, von der Messung der Körpertemperatur durch Wärmebildkameras bis hin zur Überwachung per App, ob die Mitarbeiter das Social Distancing (die Distanz zueinander) einhalten. … Gesundheit und Sicherheit werden als Rechtfertigung für eine verstärkte Überwachung angeführt werden. … im Namen der öffentlichen Gesundheit werden einige Elemente der persönlichen Privatsphäre zugunsten der Eindämmung einer Epidemie geopfert werden.

Aufgrund der Corona-bedingten höheren Angst, mit völlig Fremden in einem geschlossenen Raum zu sitzen, könnte es sein, dass viele Menschen beschließen, sich den neuesten Film oder die Opernaufführung lieber zu Hause anzusehen, weil das am vernünftigsten ist. … die Pandemie wird unseren Fokus auf Hygiene sicherlich mehr in den Vordergrund rücken. Die neue Hygienebesessenheit wird insbesondere die Schaffung neuer Verpackungsformen nach sich ziehen. Wir werden angehalten, die Produkte, die wir kaufen wollen, nicht anzufassen. Einfache Freuden, wie das Riechen an einer Melone oder das Betasten einer Frucht werden verpönt sein und vielleicht sogar der Vergangenheit angehören.

In der Zeit nach der Pandemie werden vor allem drei Branchen florieren: Big Tech, Gesundheit und Wellness. Vier Industriezweige, werden mit einer Vielzahl von besonderen Pandemie bedingten Herausforderungen zu kämpfen haben. Im Bankenwesen geht es darum, auf die digitale Transformation vorbereitet zu sein. (Abschaffung des Bargeldes), im Versicherungswesen geht es darum, auf die bevorstehenden Rechtsstreitigkeiten vorbereitet zu sein. In der Automobilindustrie geht es darum, auf die kommende Lieferkettenverkürzung vorbereitet zu sein. Im Energiesektor geht es darum, auf den unvermeidlichen Energiewandel vorbereitet zu sein.

Der Umbruch wird jedes Unternehmen in jeder Branche zwingen, neue Geschäfts-, Arbeits- und Betriebsweisen auszuprobieren. Wer sich der Versuchung hingibt, zur alten Arbeitsweise zurückzukehren, wird scheitern.

Auch darum wird es gehen: Unsere Menschlichkeit neu zu definieren. Werden sich die guten Engel, die in uns stecken, hervortun oder doch eher die Teufel?

Psychologen weisen darauf hin, dass die Pandemie, wie die meisten transformatorischen Ereignisse, in der Lage ist, das Beste und das Schlechteste in uns zum Vorschein zu bringen. Engel oder Teufel: Was hat man bisher beobachtet?

Du wirst 2030 nichts mehr besitzen!

„The Great Reset“ – Doch alles nur  FAKE?

3 Comments on “COVID-19: Der große Umbruch, Teil 2”

  1. Ich habe einen Freund, der nur knapp ein Jahr für Amazon gearbeitet hat. Tja, wenn er erzählen würde. Wir brauchen gar nicht auf die skizzierten Veränderungen zu warten, denn diese hängen nicht mit COVID 19 zusammen. Facebook, Google, Apple und wie sie alle heißen und vom Durchmarsch der Chinesen ganz zu schweigen, sind doch längst am Ruder. Ansonsten wären Macron und von der Leyen beispielsweise nie in diese Positionen gelangt. Alle schreien auf gegen die aktuellen Politiker, anstatt sich im Detail gegen das zu wehren, was ihnen jeden Tag persönlich ins Gesicht schlägt. Fest steht aber auch, dass wir auf hohem Niveau klagen, alles selbst mitnehmen, was sich mitnehmen lässt, und dabei vergessen, dass jeden Tag Kinder an Hunger sterben. Wir kümmern uns um Elektromobilität und uns geht am A…. vorbei, dass Europa Gebrauchtwagen nach Afrika verschifft. Dort baut man gezielt die Katalysatoren aus und verwertet sie. 95 % der Autos fahren dann ohne Kat durch die Gegend. Zum Schluss werden dann sogar noch die Autobatterien auseinandergenommen und das entnommene Blei wird zur Wiederverwendung nach Europa zurück verschifft. Die Anzahl der Menschen, die bei diesen Arbeiten „auf der Strecke“ bleiben, kann man und mag man gar nicht zählen. Die Einschränkungen, denen wir zurzeit unterliegen, können uns nicht davon abhalten, uns für eine gerechtere Welt einzusetzen. Wir sind so arrogant, auf den Impfstoff von Astra Zeneca zu verzichten und machen uns gleichzeitig Sorgen, dass der Osterurlaub ins Wasser fällt. Das Wort Urlaub habe ich als Kind zum ersten Mal mit 17 Jahren gehört und gelesen, als ich meinen Lehrvertrag unterschrieben habe und der Tarifurlaub aufgeführt wurde. Menschen leben mit dem Wissen, dass sie wohl niemals gegen Covid 19 geimpft werden und dafür sind wir verantwortlich. Das die europäische Union als Besteller für alle Länder der EU aufgetreten ist, war für mich jedenfalls höchst erfreulich!

  2. Dazu kann ich nur einen einzgen Satz sagen: Ich will das nicht!
    Ich möchte weiterhin als soziales Wesen unterwegs sein und nicht als überwachte und manipulierte Cyberware!

  3. Nein, nein und nochmals nein.
    Das habe ich befürchtet, dass wir nun die Schuld in uns unserem Konsumverhalten suchen und befinden, dass wir selbst an diesem Disaster Schuld sein.
    Begründung: Einzig und allein die Industrie, die IT und Medien plus korrupter Politiker haben diesen Wachstum- und Konsuminstinkt in der Bevölkerung durch Anreize, Werbung und Agitation geweckt und durch ständige Minipulation erzeugt und ständig intensiviert. Ich wusste bereits seit 50 Jahren, daß diese Kultur des unbegrenzten Wachstums und Energievernichtung hierhin führt.
    Meine Erfindungen in Regenerativen Energien wurden selbst von den Grünen belächelt und von den Unis in Aachen und Dortmund nicht gefördert, bzw. Als unwirtschaftlich abgetan. Aber den Müll aus Plastik in dem Weltmeer soll bitte der Prosuzent und Verursacher wegräumen und nicht meine Mutter, die darin überteuerte Lebensmittel transportiert hat. Wer besitzt 90 % des Weltvermögens und zahlt weder Steuern noch die Entsorgungskosten der Umweltzerstörung.
    Das hat die Wissenschaft und Wirtschaft zu verantworten, und nicht der „kleine Mann“. Danke für Eure Aufmerksamkeit.

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