Frag den Lesch

Aber was taugen seine Antworten?  

Beitrag von Kurt Rohmert

Harald Lesch ist der wohl bekannteste TV-Professor in Deutschland. Er vermittelt Wissen zu allen möglichen Entwicklungen. Das ZDF beschreibt seine Sendungen (Leschs Kosmos oder TerraX) als unterhaltsam und verständlich, er vermittle Wissen zu aktuellen und relevanten Themen. Die Ausnahmeerscheinung Harald Lesch, selbst Physiker und Naturphilosoph, fühlt sich verpflichtet, das zu sagen, was er als Wissenschaftler weiß. 

So beklagt er, dass viele Menschen an der Wissenschaft zweifeln. „Sie begründen das mit: Das können die Wissenschaftler doch gar nicht so genau wissen. Doch, können wir!“ Also schauen wir doch mal nach, ob seine Behauptung stimmt. Oder ob der Lehrer Gunnar Kaiser, ebenfalls ein YouTuber, Recht behält mit seiner Einschätzung, dass durchaus Zweifel oder doch mindestens Unsicherheiten an den Antworten unseres TV-Professors bestehen.

Die beiden Kontrahenten
Der Professor Harald Lesch ist fast immerzu im Fernsehen zu sehen. Vermutlich liegt es daran, dass man im ZDF den Wissenschaftler der LMU München nicht nur für unterhaltsam, sondern auch für integer hält. Wie sagt er doch selbst „Ich glaube, dass es heute vor allem darauf ankommt, glaubwürdige Persönlichkeiten zu haben, die in der Lage sind, der Öffentlichkeit die Quintessenz über die wissenschaftlichen Entwicklungen darzustellen.“

Könnte er sich irren? „Natürlich. Aber weil wir unsere Hypothesen durch Experimente überprüfen und uns nicht einfach Meinungen bilden, wissen wir das, was dem standhält, auch wirklich. Und zwar richtig gut, nicht nur so ein bisschen.“  Das klingt sehr selbstbewusst. Deshalb greift er fast jedes Thema auf: von Corona bis Klima, von Burnout bis Kuhstall, von Langeweile bis Geschlecht.

Im Gegensatz dazu zählt Gunnar Kaiser (im folgenden kurz GK genannt), der ehemalige Gymnasiallehrer für Deutsch und Philosophie und Buchautor, für die einen zu den Verschwörungstheoretikern, weil er u.a. über den Mythos Great Reset berichtete, für die anderen dagegen gilt er als eine Art Brandmauer gegen den Mainstream.

Mit seinem Appell für Debattenräume (zusammen mit Milosz Matuschek) ist er im Herbst 2020 bekannt geworden. Sein Anliegen, welches zahlreiche Promis wie Dieter Nuhr, Peter Hahne oder Boris Palmer mitunterzeichneten, war die Verdeutlichung einer Entwicklung, wo „falsche Meinung“ schnell Ausgrenzung bedeuten kann oder die berufliche Existenz kostet. Besser bekannt als die sog. Cancel Culture.

Sein Youtube Kanal kaisertv hat mittlerweile Millionen Klicks und 95.000 Abonnenten. Wohl wegen diesen Erfolgs wirft man ihm gern haarsträubende Rechercheschwäche, dubiose Quellen und mangelnde Objektivität oder Kritikfähigkeit vor. Da wundert es nicht, wenn er auch als Leugner der menschengemachten Klimaerwärmung gilt.

Foto: screenshot kaisertv
Der offene Brief

Rein zufällig bin ich über den YouTube Kanal von GK und seine 12 Fragen an Harald Lesch gestolpert. GK hatte ein Interview mit Lesch gefunden (focus und teleschau)  und folgte tunlichst dem Rat des Professors „Warum hört ihr nicht auf eure Spezialisten?“ So klagte Harald Lesch. Seine eigene Antwort auf seine Frage ist ganz simpel und doch sehr hintergründig. Er sagte „Dafür bezahlt uns die Gesellschaft doch!“ Doch auf diesen Satz kontert GK gänzlich anders „Dass eine Gesellschaft für bestimmte „Meinungen“ bezahlt, bedeutet nicht, dass diese wahr sind und ihr eine Handlungsweise vorgeben müssten. Zumal eine Gesellschaft, die nur einseitige und einmütige Spezialisten die ihren nennt, …“

Was für eine Welt, was für eine Gesellschaft? Was soll man davon halten, wenn Propheten wie Lesch nach eigener Aussage „aus dem Reich der Tatsachen“ kommen?  Für GK ist dies ein sehr verräterischer Ausdruck, stellt Lesch doch die Zweifler in die Ecke der Spinner („es wird zuviel gemeckert“) und erteilt damit unserer Demokratie eine Absage.

Doch die beiden Videos (eins von 2001 über die Eiszeit und ein Klima Video von 2015), die GK sich ansah, lösten bei ihm eher noch mehr Zweifel aus. Insgesamt erwuchsen aus den sich widersprechenden Aussagen des Professors insgesamt zwölf berechtigte Fragen. Er formulierte diese als offenen Brief in einem eigenen Video.  Es ist erstaunlich, wie sich der Professor in 14 Jahren inhaltlich gewandelt hat.

Die Fragen
Sehr ehrlich gesteht GK ein, dass er kein Experte sei, und sich deshalb Fachwissen holen muss. Lesch scheint die richtige Adresse, denn auch er vertritt eingangs die These, im Zentrum der Wissenschaft steht der Diskurs (wie bei GK). Und: „Man muss erst mal wissen, wovon man spricht!

So erklärt Lesch zunächst, dass in einer Eiszeit das Wetter sehr instabil sei, krasse Temperatursprünge waren normal. Auch die enorme Abkühlung um 15 Grad. GK kommt also fast automatisch auf die ersten, durchaus logischen 4 Fragen. Wenn wir also in einer Eiszeit, genauer gesagt in einem Interglazial (laut wikipedia), leben,  wie kann man ausschließen, dass die derzeitige Erwärmung als Folge einer Instabilität nicht zu den üblichen Temperatursprüngen gehört und wir heute das erleben, was schon mal zwischen 900 und 1400 Normalität war. Und könnte es nicht passieren, dass es bald auch wieder kälter wird? Woran hatte es damals gelegen; und könnte dies nicht wieder eintreten?

Sehr lustig wird es in Frage 6. Ausgehend vom Leschsen Gesetz „Die Wirklichkeit ist ein fortlaufender Prozess, der nicht zu stoppen ist“ und der eher beiläufigen Bemerkung „Die Sonne hört nicht auf zu scheinen“ folgert Lesch trotzdem daraus, dass „wir den Klimawandel beherrschen können“. Die Frage von GK geht fast unter („Also kann man oder kann man nicht?“), denn laut der Leschsen Logik befinden wir uns in einem irreversiblen Teufelskreis.  Also wenn wir nicht unter 2 Grad bleiben, „dann wird´s richtig heiß!

Lesch erklärt dem Zuhörer beeindruckend in seinen beiden Videos, es war schon mal wärmer und es gab auch Zeiten mit 10-fach höheren CO2-Werten. Und doch entwickelte sich kein Teufelskreis bzw. der „TREND, T- R- E-N-D“ (besonders betont!) wurde irgendwie gestoppt. GK fragt also folgerichtig „Wieso war der Trend damals reversible, was hatte ihn gestoppt? Wäre das heute wieder möglich?“ Und „Gibt es andere Faktoren?“

Forscher weisen seit langem darauf hin, dass es in den vergangenen Warmzeiten des Holozäns (die letzten 11.000 Jahre) für die Menschen sehr angenehm war, vermutlich weil die Zeiten sehr stabil waren. Lesch warnt aber davor, dass eine Erhöhung der Temperatur jetzt zu einer instabilen, ja sogar unangenehmen Epoche wird. Fürwahr ein Dilemma.

Meine Empfehlung : Jeder sollte sich dieses Video von 2020 von GK unbedingt ansehen, besonders wegen des Schlussakkords. „Wir sind die Guten! Nicht die Bösen!“ (Anton Hofreiter, Die Grünen).

Meine eigene Erfahrung
Ich gebe GK Recht. Der aktuelle Klimawandel – mehr Fragen als Antworten. Als ich vor ca. 2 Jahren mit diesem Thema startete, um es zu begreifen, kämpfte ich mit denselben Fragen. Die meisten sind bis heute nicht beantwortet.

Könnte es daran liegen, dass die Wissenschaft von heute, oder was man dafür hält, sich gewandelt hat oder gewandelt wurde – Stichwort Ideologisierung der Wissenschaft? (Das Thema hatten wir übrigens hier schon ). Eine Wissenschaft, die nur noch das sagt, was genehm ist und die anderen Kollegen mit anderen Aussagen, also auch Wissenschaftler, Verschwörungstheoretiker nennt. Und bedeutet „auf die Wissenschaft hören“ nicht im eigentlichen Sinn „ihr gehorchen“ ? Was treibt diese Professoren, unsere Wissenschaft, an?

Und so bleibt eine letzte Frage:
Wie wird man wohl sein (also Lesch) heutiges Wirken in der Zukunft beschreiben, vorausgesetzt wir entkommen der Klimakatastrophe oder dem Great Reset?

One Comment on “Frag den Lesch”

  1. Guten Tag, ich möchte mich zu Harald Lesch äußern!
    Ich war bis 2019 immer ein Apostel, der allen Aussagen von Harald Lesch uneingeschränkt folgte.
    ab 2020 kamen bei mir Zweifel auf, wieso HL auf ALLES eine Antwort hatte,
    obwohl er ja eigentlich Astrophysiker ist.
    Jetzt stellt sich eine Frage: Er erforschte in seinem Leben Schwarze Löcher im Weltall, deren Licht tausende Lichtjahre benötigt, um von uns wahrgenommen zu werden. Was wir hier auf unserem Planeten mit Teleskopen wahrnehmen, ist also das Bild von vor tausenden Lichtjahren. Da kann uns ein Astrophysiker erzählen was er will, er kann seine Wissenschaft überhaupt nicht belegen, da er nur in die Vergangenheit sieht. Mit seiner Philosophischen Wissenschaft hat er mich mit seinem „Kapitalozän“ verwirrt. Ein Zeitalter der Herrschaft des Kapitals. Das hat er gut erkannt, trotzdem unterstützt er die offensichtliche Marktbeherrschung der Pharmaindustrie und der IT Branche. In meinen Augen ist er als Mediensprecher
    der angeblichen Wissenschaft KORRUPT, genauso wie Drosten, Spahn um Merkel
    eine Nutte von Soros, Gates und Merkel.

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